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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 28.09.2017

Die Beste aller Welten

Ich war wohl wieder mal im Schreibstress, als die Mödlinger Produktionsfirma "RitzlFilm" anfragte, ob ich denn nicht Lust hätte, die Dreharbeiten zu ihrem neuen Film zu besuchen. Es sollte ein Film aus meiner Heimat über Menschen in meiner Heimat sein, und ich hätte diese Story „exklusiv“...

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Filmausschnitt: "Die Beste aller Welten" (© RitzlFilm)

...Man wolle zu diesem Moment noch keine Pressaussendung. Ok. Datum, Uhrzeit, ich komme. Ort: eine kleine Wohnung in einem mir bekannten Viertel. Die Geschichte: Der junge Drehbuchautor und Regisseur Adrian Goiginger will seinen ersten Film seiner Mutter widmen. Helga Wachter. Ein Film, in dem Adrian seine Kindheit in der Drogen- und Beziehungshölle seiner Eltern schonungslos aufarbeitet. Eine Kindheit, von der er sagt, sie war glücklich. Eine Kindheit, die für ihn – ob der großen Liebe zwischen Mutter und Sohn – dennoch die „beste aller Welten“ war. Eine Mutter, die es für ihren Sohn schaffte, clean zu werden; ein Stiefvater, Günther Goiginger, der heute in der Drogenberatung arbeitet. Der Film, eine Hommage an seine vor vier Jahren an Brustkrebs verstorbene Mutter. Zu einem Zeitpunkt, als das Leben noch einmal so richtig schön werden sollte. Die Hauptrolle dieses Films, der übrigens gerade in unseren Kinos läuft, spielt die wunderbare, zu diesem Zeitpunkt 28-jährige Verena Altenberger. Wie sehr habe ich mich gefreut, sie bei den Dreharbeiten zu treffen, hatte ich doch gerade im Vorjahr ein Interview mit ihrer Mutter, der Direktorin der Landwirtschaftlichen Fachschule Winklhof, geführt. Dann sagt Verena: „Die Mama ist vor fünf Monaten gestorben. Brustkrebs.“ Sie war 49. Ich umarme. Ein Raum, drei Betroffene, ich lebe. Ich wurde wieder gesund. Momente, welche die Statistik, dass im Laufe ihres Lebens jede achte Frau an Brustkrebs erkranke, toppt. Ein Treffen, drei Mütter, drei Diagnosen.

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Klartext über Brustkrebs: Claudia Altmann-Pospischek (r.), Viktória Kery-Erdélyi

Wie jedes Jahr steht auch diese Oktober-Ausgabe ganz im Zeichen von Pink Ribbon. Unsere Redakteurin Viktória Kery-Erdélyi traf – in ihrer gewohnt sensiblen Art dem Thema gegenüber – zwei an Mammakarzinom erkrankte Frauen, beide mit ganz unterschiedlichen Verläufen: Manuela Zimmermann und Claudia Altmann-Pos­pischek. Was diese mutigen Frauen verbindet, ist ihre Lebensfreude und das Selbstverständnis, über ihre Krankheit zu sprechen; Tabus zu brechen, um möglichst viele Frauen dazu zu bewegen, zur Mammografie zu gehen. 

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Heart Display, Zeltweg (© Angelica Pral-Haidbauer)

Liebe LeserInnen, Brustkrebs verändert ein Leben. Ich habe „meinem“ damals keinen Raum gegeben, denn daheim waren fünf Kinder, die mich brauchten. Alles, was ich wollte, war „schnell durch und bitte möglichst wenig d‘rüber reden“. Bis sich unlängst diese Blockade löste. Als sich nämlich mein ältester Sohn Philipp mit seinem Alpha-Jet aus dem Formationsflug der Flying Bulls löste und in einem waghalsigen Manöver ein Herz in den Himmel malte. Ein Moment ohne Worte. In der besten aller Welten.

 

Also: Wann hast Du Deinen Vorsorge­termin? Geh bitte hin, das Leben braucht Dich!

 

Herzlichst, 

Eure Angelica Pral-Haidbauer,

Chefredakteurin

 

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