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Gernot SchreierBlog über Frauen, Männer und ihre alltäglichen Herausforderungen

Gernot Schreier | 24.07.2017

Ins rechte Licht rücken...

oder, ich bin auch noch da...

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© Shutterstock

Ist es einem von Euch auch schon passiert, dass ihr mit eurem Partner bei irgendeiner Feier gewesen seid und er/sie traf einen guten Bekannten, den ihr nicht kanntet und euer Freund stellte euch nicht vor. Natürlich eine Kleinigkeit denkt jeder aber meist mit großen Auswirkungen. Es ist eine klassische Verletzung der sogenannten „Kernprinzipien“. Nach außen hin eine Kleinigkeit, für die Beteiligten oft der Beginn von größeren Problemen. Man weiß aus der Forschung, dass alle diese Kernprinzipien (hier z.B. Zugehörigkeit) mit dem Selbstwert bzw. Selbstbild und Fremdbild zu tun haben. Es betrifft einen umso mehr je weniger man die andere Person kennt.

 

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Klient kam zu mir in die Praxis und erklärte mir, dass seine Frau eine gutgehende Firma habe und er ist Angestellter in einer Führungsposition. Durch ihren Beruf kannte seine Frau einige Leute, er war eher der zurückgezogene Typ, der seine Frau extrem unterstützte, dass sie Zeit hatte ihre Firma zu führen. Bei diversen Festeln kam es immer wieder vor, dass sie sich mit anderen oft lange unterhielt, bzw. teils auch tanzen ging ohne ihm etwas zu sagen. Er sagte zu mir, dass er dann immer das Gefühl hatte, dass er nicht dazugehörte. Wir arbeiteten etwas an seinem Selbstwert und Selbstgefühl. Es wurde immer besser, er ging bei Festen jetzt meistens dicht neben ihr, damit man erkannte, „wir gehören zusammen“. Somit glaubten wir, das Problem sei erledigt. Doch es kam anders. Seine Frau hatte immer wieder berufsmäßig im Ausland zu tun und er kümmerte sich in der Zeit um Haushalt und Sohn. Er dachte sich nichts dabei, dass sie auch immer wieder SMS von ihren Geschäftspartnern und ihm nicht bekannten Freunden bekam. Das wäre so üblich dachte er. Als sie mit ihrer Freundin, wie jedes Jahr, auf Urlaub fuhr dachte er an nichts Böses. Sie kam zurück und war, so bildetet er sich das zumindest ein, etwas verändert. Sie begrüßte ihn kaum und fing sofort an die Koffer auszupacken. Sie ging auch sofort ins Bett, weil die Reise so anstrengend war. Was ihm in den nächsten Tagen und Wochen auffiel, war, dass sie, egal wo sie waren immer wieder ihr Handy aus der Tasche holte, teilweise etwas schrieb und es meist den Eindruck vermittelte, dass sie auf eine Nachricht wartete. Er dachte sich nichts dabei, weil ja ihr Sohn gerade flügge wurde und es ja sein könnte, dass dieser Mumm immer wieder schreibt, wo sie sich gerade herumtreibt. Durch einen blöden Zufall, sein Handy war leer und seine Frau gab ihm ihres zum Telefonieren kam es zum Eklat. Genau zu diesem Moment kam ein SMS mit ziemlich eigenartigen Inhalt herein. Da schrieb ihr jemand sehr vertraut und schickte ihr einen Kuss. Mein Klient kannte den Schreiber von seiner Funktion her und schrieb ihm seinerseits selbst ein Mail, dass er das wohl sein lassen sollte. Jetzt kam etwas, was meinen Klienten dazu brachte mich wieder zu besuchen. Am Abend war sie superböse auf ihn, weil sich ihr Bekannter bei ihr beschwerte, dass ihr Mann ihm schrieb und fragte ihn, was das denn für ein vorsintflutliches Verhalten sei. Er hätte sollen mit Ihr reden, sie hätte das schon geregelt. Er solle sich bei ihrem Schreiber (Geschäftsführer des Hotels, dass sie immer wieder gebucht hatte) entschuldigen. 

Was passiert da systemisch gesehen? Sie machte eine grobe Verletzung der Zugehörigkeit durch die Tatsache, dass solche SMS von einem Fremden überhaupt zuließ ohne zu protestieren. Die nächste Verletzung war ihn aufzufordern, sich zu entschuldigen. Er hatte das Recht so zu reagieren. Jeder, der sich mit einer gebundenen Person einlässt muss sich zuvor darüber klarwerden, dass es auch in die Hose gehen könnte. Dasselbe gilt auch für das Argument seiner Frau, dass das Alles nun für sie furchtbar peinlich sei. Leider wurde mein Klient einige Wochen darauf schwer krank und auch hier kam es zu einer weiteren Verletzung der Zugehörigkeit. Er verließ dann trotz Krankheit seine Frau nach über 20 Jahren Ehe und es gelang ihm, wieder auf die Beine zu kommen. Diese Verletzungen der Zugehörigkeit oder von anderen Kernprinzipien sind systemisch gesehen eine Katastrophe. Jeder ist nur Mensch und es kann einem ein „Ausrutscher“ passieren. Wenn das so ist und es trotzdem ans Licht kommt (und es kommt immer ans Licht, weil man sich durch den Nervenkitzel oder sogar neue Liebe ja verändert) sollte man aus Loyalität zumindestends die Verantwortung übernehmen sonst könnte es zu bösen Überraschungen kommen und man steht nach einer kurzen, sicher prickelnden Zeit plötzlich allein da. So gesehen wünsche ich euch einen prickelnden Sommer (den kann man auch mit dem Partner verleben, wenn man etwas einfallsreich ist...) Meld mich wieder im September....

Kleiner Nachtrag:

Ich traf den Klienten vor ca. einem halben Jahr (die Geschichte ist 11 Jahre her und passierte in meinen Anfangsjahren als Berater). Nach fünf Jahren gab seine, damals dann Exfrau zu, dass da mehr als Schreiben war, sie sich aber sicher war, dass er es nie merken würde.

 

 

 

Erklärung:

 

Alle Veröffentlichungen sind, aufgrund des besonderen Vertrauensverhältnisses zwischen Berater und Klienten, mit den handelnden Personen abgesprochen und von Ihnen freigegeben.

Des Weiteren sind Orte, Alter und Daten, die ein Erkennen der Personen ermöglichen würden, verfälscht.

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