Lust wandeln

Kurzmitteilung

Jetzt. Es gibt kein Morgen. Nur den Augenblick – und das große Glück der kleinen Dinge. Das zu erkennen ist eine Kunst. Jeden Tag aufs Neue – alltäglich.

Glück beginnt mit einem lauen Sommerabend und einem kleinen Garten in Athen. Es ist aber keine Urlaubs-, sondern eine Zeitreise. In das Jahr 279 v. Chr. Dort begegnen wir einem älteren Herren – und der Lebenslust.
Lustwandelnd suchte der Philosoph Epikur, ein stiller Denker, das Glück der wahren Dinge. „Es kommt alles darauf an, dass Du, Mensch, der Du heute und hier lebst, glücklich lebst.“ Das brachte ihm allerdings Ärger ein, denn es sei hemmungslose Vergnügungssucht. Ein Irrtum. Denn Epikur zog seine großen Freuden aus den kleinen und bescheidenen Dingen des Lebens. Aus dem Genießen des Augenblicks, denn „Du bist da, um Dein einziges, einmaliges Leben mit Glück zu füllen“. Im Hier und im Jetzt. Sich Sorgen um die Zukunft machen war für ihn ein Garant für Unzufriedenheit. Wie auch Macht und Ruhm. Lieber genoss er die Inspiration eines Gedankenaustauschs. Glück waren für ihn ein kleiner Garten und gute Freunde – und genügend Zeit, sich beidem zu widmen. So schlicht und einfach und dabei doch großes Denken und eine Einladung, selbst zu flanieren. Jetzt, gedanklich, durch unseren Garten. Sie können von Seite zu Seite wandern oder einfach verweilen. Den Augenblick genießen. Gedanken austauschen. Ein Duell annehmen. Dem Esprit des Unbekannten erliegen. In eine andere Welt abtauchen. Genuss im Schloss entdecken – und dem Ausspruch von Horaz, Carpe diem, im epikureischen Sinn folgen: „Nimm den Tag und genieße das, was er bringt.“

Andrea Bonetti Mair

  • EDITORIAL

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