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Lifestyle | 10.10.2017

Frauensache

Harnwegsinfekte, Krampfadern, Schwangerschaftsprobleme: Die Liste der Beschwerden, von denen vor allem wir Frauen betroffen sind, ist lang. Wir verraten, was es mit den klassischen Krankheiten des sanften Geschlechts auf sich hat, und wie wir uns damit von unseren männlichen Pendants unterscheiden.

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(© Shutterstock)

Frauen sind Meisterinnen des Multitaskings, Männer dafür die besseren Autofahrer. Weit verbreitete Vorurteile? Wahrscheinlich. Dass die Geschlechter in vielerlei Hinsicht verschieden sind, dürfen wir aber guten Gewissens zugeben. Gegensätze zwischen ihr und ihm gibt es aber nicht nur im Alltag. Auch in Sachen Gesundheit unterschieden sich Mann und Frau. Anlässlich des Internationalen Weltmädchentags am 11. Oktober, der ein Zeichen für weibliche Gleichberechtigung setzt, haben wir es uns zum Ziel gemacht, Frauengesundheit in einer Sonderreihe genauer unter die Lupe zu nehmen. Von den gängigsten Beschwerden und typischsten Wehwehchen hin zu überraschenden Fakten über das Wohlergehen der Frauenwelt: Wir klären auf und lassen uns als Einstieg von Univ.-Prof.in Dr.in Margarethe Hochleitner genauer erklären, wo die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen den Geschlechtern liegen.


TIROLERIN: Was ist Gendermedizin?
Univ.-Prof.in Dr.in Margarethe Hochleitner: Gendermedizin hat sich aus Frauengesundheit und Männergesundheit entwickelt und untersucht Geschlechterunterschiede und deren Auswirkungen bei allen Gesundheitsangeboten von Prävention über Diagnose und Therapie zur Rehabilitation.


Werden Männer und Frauen unterschiedlich krank?
Es gibt viele Geschlechterunterschiede: Die  meisten Krankheiten treten dabei in unterschiedlicher Häufigkeit  und mit voneinander abweichendem Verlauf bei Frauen und Männern auf. Auch die Symptome der Krankheit unterscheiden sich oft zwischen den Geschlechtern. Deshalb, und wegen anderen Faktoren wie geschlechterspezifischen  Nebenwirkungen, erfordern Diagnose und Therapie häufig verschiedene Angebote für Frauen und Männer.


Worin besteht der Zusammenhang zwischen diesen Unterschieden? Spielen Faktoren wie ein geschlechterspezifischer Lebensstil eine Rolle?
Es gibt Sex- und Genderunterschiede. Sexunterschiede beruhen auf körperlichen Faktoren wie Chromosomen oder Hormonen und werden zum Beispiel mit Erkrankungen sekundärer Geschlechtsorgane, wie Prostatakrebs, in Verbindung gebracht. Gender beruht auf sozialen und kulturellen Unterschieden. Verschiedene Rollenbilder von Frauen und Männern implizieren oftmals auch verschiedene Lebenssituationen. So sind Pflegeberufe fast ausschließlich weiblich besetzt, wodurch Frauen vermehrt unter gesundheitlichen Belastungen des Jobs leiden. Es lassen sich aber auch große Unterschiede im Gesundheitsverhalten der Geschlechter erkennen.  Gesunde Ernährung ist zum Beispiel weiblich Ω Frauen achten mehr darauf, was sie essen. Unter ihnen gibt es mehr Veganerinnen, Vegetarierinnen oder Personen, die auf Mischkost achten.

 

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(© Shutterstock)

Kann man sagen, dass es im Umgang mit Erkrankungen einen Unterschied zwischen Mann und Frau gibt?
Ja, auf jeden Fall! Untersuchungen zeigen, dass Männer seltener an Präventionsuntersuchungen teilnehmen. Wir alle kennen die Kampagnen wie die Pink-Ribbon-Aktion mit vielen prominenten Frauen, die sich für mehr Bewusstsein zum Thema Brustkrebs einsetzen. Etwas Vergleichbares mit Fokus auf männertypische Erkrankungen gibt es nicht. Oder fällt Ihnen eine Aktion gegen Prostatakarzinome ein?  


Warum haben Frauen eine höhere Lebenserwartung als ihre männlichen Gegenüber?
In allen Gesellschaften wird Frauen eine höhere Lebenserwartung zugeschrieben. Die übliche Erklärung dafür ist der angeblich riskantere Lebensstil von Männern. So einfach ist die Sache aber nicht. Die größere Wahrheit liegt wohl in der Immunologie. Das Immunsystem der Frauen ist aktiver Ω ein Schutz gegen Infektionskrankheiten und Krebs.


Stichwort Männergrippe: Würden Sie sagen, dass Frauen eine höhere Schmerzgrenze haben?
Das ist ein Klischee! Einerseits diskutieren wir zwar die Männergrippe, andererseits wissen wir, dass Männer nicht an Präventionsaktionen teilnehmen. Die Schmerzen betreffend ist das eine schwierige Frage, da es sehr unterschiedliche Formen von Schmerz gibt. Nach jetzigem Stand der Forschung ist diese Behauptung allerdings nicht zu halten.


Gibt es so etwas wie frauentypische Krankheiten?
Es gibt frauen- und männertypische Krankheiten, ja. Erstere betreffen dabei die Reproduktion und die sekundären Geschlechtsorgane. Fast alle Immunerkrankungen, Allergien, Unverträglichkeiten treten bei Frauen außerdem häufiger auf, was auf ihr aktiveres Immunsystem zurückzuführen ist.


Welches Resümee lässt sich aus diesen Erkenntnissen ziehen?
Dass Gendermedizin unverzichtbar auf dem Weg zur personalisierten Medizin, die maßgeschneiderte Gesundheitsangebote für jede Einzelperson bietet, ist. Dafür müssen wir über diese Geschlechterunterschieden Bescheid wissen.

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