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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 04.03.2019

Frausein 2119

Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Natürlich schreiben wir das Jahr 2019 und feiern „100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich“. Wie könnte man jene mutigen Pionierinnen nicht würdigen, die einen ersten Schritt in Richtung Gleichberechtigung gesetzt haben?

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In Echt! Autorin von "Oma tanzt", die unter dem Pseudonym Paula Molte schrieb mit Chefredakteurin Angelica Pral-Haidbauer

Ihre Visionen haben unser Land mitgeprägt und zu dem gemacht, was es ist: eines der lebenswertesten Länder der Welt. Inspiriert von der Geschichte „Oma tanzt“ auf Seite 12, wollte ich eigentlich über meine Großmütter schreiben. Geboren in den 1890er-Jahren in eine Österreichisch-Ungarische Monarchie, den Zerfall des Kaiserreiches erlebt, zwei Weltkriege überlebt. Alles verloren, Kinder geboren, den Grundstein dafür gebaut, dass es uns heute so gut geht. Nein, es wäre nicht möglich, den Mut, die Stärke und Herzenskraft dieser Frauen in wenige Zeilen zusammenzufassen. Dafür bräuchte es ein Buch. Deshalb bin ich dankbar für jede einzelne Autorin, die diesen Frauen ein Denkmal setzt, um deren Leistungen dem Vergessen zu entreißen.

 

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BESTE STIMMUNG BEIM COVERSHOOTING. Fotografin Vanessa Hartmann, Stylistin Anna Maurer, CR Angelica Pral-Haidbauer, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Pressesprecher Dieter Kraus

Werfen wir doch einen Blick in die Zukunft! Im Marchfelderhof feierte man auf Einladung Martina Fasslabends ein Jubiläumsfest für das Frauenwahlrecht. Dabei wurde nicht nur über den gesellschaftlichen Wandel referiert, sondern auch die Frage gestellt: Was sollen wir im Jahr 2119 feiern? Hier einige Antworten:  „100 Prozent Chancengleichheit – und diese schon lange erreicht“, meint BM Juliane Bogner-Strauss. Die 1. Präsidentin des VfGH Dr. Brigitte Bierlein: „Dass wir in der Privatwirtschaft, in Aufsichtsräten und Vorstandsetagen eine fifty/fifty Quote haben.“ Tini Kain­rath: „Die erste Bundespräsidentin, die erste Bundeskanzlerin, Frauenüberschuss im Parlament, die ersten weiblichen Plattenbosse.“ Bezirksparteiobfrau Christina Schlosser: „Wir sollten dann ein Vorzeigeland sein für Frauen in anderen Ländern.“ Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister: „Am Besten wäre es, wenn wir gar nichts mehr feiern würden, weil wir schon so gleich sind.“ Natalia Ushakova: „Es gibt schon viele Dirigentinnen, 80 Prozent davon sind Männer im Quadrat. Sie wollen noch strenger und härter sein als Männer, männlicher als Männer. Ich wünsche mir, dass wir Frauen unsere Weiblichkeit behalten.“ Ulrike Kriegler: „2119 gehen wir zu einem Finale bei einer Frauen-Fußball-WM, wo Österreich im Finale steht, das Stadion voll besetzt ist und mindestens 60 Prozent davon Frauen sind.“ Und was sagt der Fußballtrainer Peter Stöger? „Ich wünsche mir, dass es ruhig ist und dass die Menschen nett und mit Respekt miteinander umgehen. Das wäre schön.“ 

Schön auch die Worte von Ursula Strauss im Talk mit Viktória Kery-Erdélyi in unserer Jubiläumsausgabe: „Ich bin statt eines ‚Gegen‘ immer für ein ‚Für‘: für die Kommunikation, für das Zuhören.“ Ich auch – und ich liebe es, Frau zu sein.

Eure Angelica Pral-Haidbauer,

Chefredakteurin