Loading…

Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 19.03.2020

#alleswirdgut #2

Österreich steht still, und wie geht´s uns dabei? Was denken und fühlen die Menschen in diesen Tagen? Was mich zur Zeit beschäftig, erfahrt ihr ab sofort täglich hier.

Meine Lieben!
An einem Tag wie heute ist Euphorie eigentlich fehl am Platz, trotzdem stimmt mich die ungeheure Solidarität, die allerorts zu spüren ist, optimistisch.
Im ganzen Land herrscht die Devise: Hier werden Sie geholfen! (Copyright Verona Pooth)
Studenten, Schüler, Menschen, die ihre durch #stayhome gewonnene Zeit sinnvoll nützen wollen, helfen den Schwächsten in unserer Gesellschaft; erledigen für ältere Leute Einkäufe, halten mit ihnen via skype und Telefon die Kommunikation am Laufen

Stell dir vor, Du bist alt und gebrechlich, darfst derzeit niemanden sehen und das Haus nicht verlassen. Das einzige, was Du darfst, ist warten, bis die bedrohliche Zeit ein Ende hat. Kein erbaulicher Gedanke, der leider für Hunderttausende alte Menschen im Land bittere Realität ist.

Was jeder von uns tun kann, ist einfach Reden. Zum Handy greifen, Oma und Opa, Mama und Papa, die Nachbarin oder die Tante anrufen, und wenn man mit seinen Liebsten ohnehin regelmäßig in Kontakt ist, dann bitte eine Ecke weiter denken, und auch jene anrufen, die man sonst nicht im Fokus hat.

Ich habe leider keine Eltern und Großeltern mehr. Aber meine Eltern und Großeltern hatten Freunde und Bekannte, die auch mir ein Begriff sind. Also habe ich heute eine ehemals gute Freundin meiner Mutter angerufen, ich weiß nicht genau, wie alt sie ist, es wird so um die 85 sein. Ich hatte das vage Gefühl, dass sie alleine in ihrer Wohnung sitzt. Und wartet.
Die Nummer fand ich bald heraus, im Adressbuch meiner Mutter, fein säuberlich notiert. Sie brauchte eine Weile, um mich zuordnen zu können. Und dann...freute sie sich so ungemein, dass ihr die Tränen kamen.
Angst vor Corona hat sie keine. „Ja weißt“, sagte sie, „wir haben schon Schlimmeres überstanden, das wird auch vorbei gehen“. Und dass ihr das Alleinsein mehr zu schaffen macht, als die Angst, die sie nicht hat. Die Kinder und Enkel rufen an, jaja. Alles gut. Aber so schön, dass auch DU mich jetzt angerufen hast!“

Liebe Anni! Ich rufe dich auch morgen wieder an und übermorgen und wenn du magst, an jedem weiteren Tag. Und ja, wenn Corona vorbei ist, komm ich dich besuchen. Versprochen.
Und weißt Du was? Irgendwie gehts mir nach dem Gespräch mit dir auch selbst richtig gut. Manchmal ist alles ganz einfach...

Eure

Bild uschi signature.bmp