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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 21.03.2020

#alleswirdgut #3

Österreich steht still, und wie geht´s uns dabei? Was denken und fühlen die Menschen in diesen Tagen? Was mich zur Zeit beschäftig, erfahrt ihr ab sofort täglich hier.

ICH BIN EIN FEKRÄH. SO SCHAUT‘S AUS!

Ich esse. Mehr als sonst. Viel mehr als sonst. Wenn Ihr wüsstet, wie und was ich alles esse, würdet Ihr mich verachten. Ich bin, oink-oink, ein kleines, schlaues Ferkelchen, das jede Gelegenheit nützt, sich den Wanst voll zu schlagen.

„Na, bitte!“,  werden Manche von euch jetzt denken, „hab ich mir doch immer schon gedacht! Die ist gar nicht so diszipliniert!“
Und ich kann dazu nur sagen: es ist noch Schlimmer, als Ihr denkt.

Gelegenheit zur beiläufigen Nahrungszufuhr, oink-oink, gibt es in meinem Home Office reichlich. Ich wohne mit meinem Mann und drei Kindern, die eigentlich schon junge Erwachsene sind. Alle noch im Wachstum, inklusive meinem Mann.

Bei uns werden morgens die Cornflakes in Salatschüsseln geschüttet, jeweils in einen halben Liter Milch getaucht und nach 30 Sekunden ist, zack, alles weg. Die jungen Erwachsenen trollen sich dann zum e-learning in ihre Zimmer, nicht ohne davor die eine oder andere Kleinigkeit (halbe Packung Toastbrot mit einer Packung Butter, ein Glas Nutella, Familienpackung Kinder-Pinguine etc.) für die kommenden 60 Minuten zu bunkern. Nur für alle Fälle.

So. Wir schreiben nun zirka halb neun. Normalerweise bin ich um die Zeit auf dem Weg ins Büro, oder schon im Büro oder bei einem Termin. Normalerweise esse ich um elf Uhr Vormittag ein Weckerl, an guten Tagen gern auch ein Salami-Semmerl. Dann gegen 14 Uhr ein kleines Mittagessen, und abends mit Freude  „was Richtiges“.

Oink-oink. Jetzt ist Home Office. Ich kratze wie eine verwahrloste Krähe mit dem Stiel des Löffels die klebrigen Cornflakes von den Schüsselboden der Kinder. Also Krähen würden das vermutlich mit ihrem Schnabel machen, vielleicht aber auch nicht, weil sie genug Würde besitzen, die Reste anderer Leute nicht zu fressen.
Und wenn die Cornflakes-Pappe sich dann schön gelockert hat... oink-oink.
Da und dort gibts auch noch einen Rest vom Toastbrot zu verspeisen, auf dem Teller drüben liegt angebissener Käse. Und Wurst. Bevor ich das Zeug jetzt verpacke und zurück in den Kühlschrank...  oink-oink.

Ich bin ein unberechenbarer Hybrid. Eine Mischung aus Krähe und Ferkel. Die Ladung  Brotkrümel auf dem Schneidebrett. Die Bratenreste in der Pfanne.  Die kalte Suppe mit kalten Nudeln im Topf von Gestern, ich pfeif mir alles rein. Hemmungslos, skrupellos.

Der Tiefpunkt kam heute zu Mittag. Ich platzierte die (nicht nur von mir) halb aufgegessene Geburtstagstorte meiner Tochter umsichtig auf einem kleineren Teller, damit der Kühlschrank nicht aus allen Nähten platzt.
Die Tortenplatte mit dem breiten Schokolade Restrand stellte ich zum Aufweichen, ganz brave Hausfrau, in die Abwasch. Bereit, sie mit Spülmittel zu bedecken.

Und dann. Überkam es mich. Wieder. Oink-oink. Ziemlich einmalig, wie einem so ein steinharter, abgekratzter Schoko-Torten-Tellerrand schmecken kann, zumindest wenn man ein Ferkel-Krähe-Hybrid, kurz, ein Fekräh, ist.

Das Schicksal bewahrte mich leider nicht vor den fassungslosen Blicken eines der Kinder: Das Fekräh-Muttertier stand mit einem mächtigen Fleischmesser, irgendwie schuldbewusst, mitten in der Küche. Den gierigen Mund komplett Schoko-verschmiert, den irren Blick gesenkt, und hieb mit gezielten Stichen auf eine Tortenplatte ein... die psychologischen Folgen der Corona-Krise werden noch weitreichender sein, als wir denken.

Eure Uschi

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Ein alter Tortenrand schmeckt ziemlich genial!
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Hier gibt’s noch allerhand für mich zu Schmausen!