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Die geheimen Botschaften der LiebeDr. Monika Wogrolly

Die geheimen Botschaften der Liebe | 09.05.2019

„KANN EINE HOCHZEIT EINE BEZIEHUNG RETTEN?“

Diese Frage stellt sich Dr. Monika Wogrolly in ihrer heutigen Kolumne.

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Dr. Monika Wogrolly. © Arman Rastegar

Die Situation:

Marion, 34, und Peter, 39, sind seit dreieinhalb Jahren ein Paar. Im Herbst ist der Hochzeitstermin. Während von Peter Einladungen entworfen und von Marion mit einer Freundin in Brautläden nach dem perfekten Hochzeitskleid gestöbert wird, eskalieren zu Hause immer häufiger heftige Konflikte. Marion gibt Peter die Schuld an ihrer seit über einem Jahr asexuellen Beziehung. So richtig leidenschaftlich war es zwischen den beiden noch nie. Sexualität war eher wie eine Pflichtübung absolviert worden, und irgendwann hatte Peter Versagensängste und keine Lust mehr auf Sex. Beide sind ratlos über die Entwicklung. Schon Küssen bereitet Peter Überwindung: Er verfällt dabei regelrecht in Panik, dass seine Verlobte mehr von ihm erwarten könne. Sexuelle Funktionsstörungen, die auf körperlichen Ursachen beruhen, wurden bei beiden medizinisch ausgeschlossen.

Das Fazit:

Das Fazit: Das Paar zofft sich ständig und vermeidet Zärtlichkeit und Nähe. Es wird nicht einmal gekuschelt! Lieber flüchtet Peter zu Freunden und Marion sich in Vorwürfe, dass er sie vernachlässigen würde. Nichtsdestotrotz wollen die beiden demnächst den Bund fürs Leben schließen, fürchtensich aber zugleich vor dieser Entscheidung, die sie als letzte Rettung ihrer Beziehung sehen.

 

 

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Dr. Monika Wogrolly ist Philosophin, Psychotherapeutin, Paartherapeutin und Sexualtherapeutin. Was sie in ihrem Berufsalltag in Klinik und Praxis erfährt, ist Basis ihrer Beratungen, Coachings und Therapien. Zuletzt erschien ihr Buch „Die Beziehungsformel. Endlich glücklich lieben“ (Verlag Ueberreuter Sachbuch).

Was meint die Paartherapeutin?

Dr. Wogrolly: Bei Marion und Peter liegt eine hohe Ambivalenz der Gefühle vor: Dem Anschein nach wünschen sie sich ihr Liebesglück und wollen heiraten. Die geheimen Botschaften ihres Verhaltens sind aber enorme Ängste, Zweifel und Blockaden. Impulsive Schreiduelle mit Drohungen, sich zu trennen, und gegenseitigen Schuldzuweisungen sind zum schlechten Ersatz für die befreiende Ekstase beim sexuellen
Höhepunkt geworden. Anstatt einander entspannte Nähe zu gewähren, lebt dieses Paar in einem aufreibenden On-off-Modus.


Seelische Wunden. Tiefenpsychologisch kann man dieses Verhaltensmuster so erklären: Beide sind in der Vergangenheit traumatisiert (griechisch „trauma“ für Wunde), das heißt seelisch verwundet worden – möglicherweise nach dem Verlust einer wichtigen Bezugsperson in der Kindheit durch Scheidung oder durch einen emotional instabilen Elternteil. Diese Erfahrungen machen es schwer, sich als Erwachsener
auf jemanden vertrauensvoll einzulassen – zu sehr wirkt der vergangene Schmerz nach und wird durch das Zusammenleben mit dem Partner ständig wachgerufen!

Hier passiert fatalerweise das Folgende: Der am meisten gefürchtete Verlust wird von den Betroffenen künstlich heraufbeschworen, um sich durch Vorwegnahme vor dieser Bedrohung vermeintlich zu schützen! Erst wenn sich Peter und Marion in einer Psychotherapie ihrer Verlustangst und Bindungsangst stellen, kann ihr chronisches Vermeidungsverhalten wieder einer vorsichtigen Nähe weichen. Ein Stufenplan der Sexualtherapie – bestehend aus Vertrauensaufbau und Berührungen – kann dem Paar zusätzlich helfen. Keine überstürzte Hochzeit! Damit sollte gewartet werden, bis Marion und Peter einen Weg gefunden haben, ihre Angst, vom Partner verlassen zu werden, unter Kontrolle zu bekommen.

 

Haben Sie auch eine Frage an Dr. Monika Wogrolly zum großen Geheimnis der Liebe? Schicken Sie eine Mail an [email protected]