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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 04.02.2019

Uschi Fellners Kolumne: Look into my Life

Man müsste mal z. B. die Lichterketten ausstecken...

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© Stefan Joham

Laut Kalender haben wir Februar, Weihnachten ist schon eine Weile her. Auf unserer Terrasse, gut sichtbar für weite Teile der Gasse, vermutlich sogar der ganzen Stadt, steht ein mit Millionen Lichtern geschmückter Christbaum. Jeden Abend, wenn ich nach Hause komme und vom unteren Ende der Gasse die Lichter leuchten sehe, denke ich mir: „Schau, wie hell! Blöd, dass Weihnachten schon vorbei ist.“  


Etwa in der Mitte der Gasse – die Lichter leuchten mir bei Nacht und ­Nebel penetrant den Weg zu meiner Unter­kunft – denke ich mir: „Man müsste endlich den Christbaum wegräumen. Oder zumindest nach hinten schieben, damit man ihn nicht so sieht. Oder wenigs­tens die Lichter ausschalten.“


Nun sind die Kabel der Terrassen-­Christbaumlichter freilich ­verbunden mit den Kabeln der Gartenhecken-­Lichter und diese wiederum mit den Kabeln der entlang des Gartenzauns angebrachten Lichter. Um es kurz zu machen: Falls Sie in Wien, Niederösterreich oder Umgebung wohnen und seit Wochen einen gleißend hellen Fleck auf der Landkarte wahrnehmen – es handelt sich nicht um das astrologische Phänomen des Gleißmondes.

 

Das bin doch nur ich. Und meine Weihnachtslichter. Kann ja nicht so schwer sein, das Zeug endlich abzuräumen, denken Sie jetzt. Man müsste nur ... das ist das Problem. Man. Müsste. Angebracht hat den ganzen Hollunder ein mir bekannter Elektriker, der auf Weihnachtsbeleuchtungen spezia­lisiert ist, nach der Montage unseres Lichter-Wahnsinns auf Urlaub ging und nie wieder auftauchte. Wenn ich ihn anrufe, was ich seit Mitte Jänner ca. 800 Mal getan habe, meldet sich die Tonband-Stimme eines Kleinkindes, das fröhlich kräht: „Der Papi ist nicht da, wir sagen tschüss, baba!“.

Mein Mann vermutet, dass sich der gesamte Elektriker-Clan nach Australien oder irgendwohin abgesetzt hat, wo ahnungslose Weihnachts-Trullen (Kennen Sie eine?) bereit sind, für nachhaltige Lichterketten samt Montage satt zu löhnen. Der Begriff Nachhaltigkeit gewinnt angesichts unserer Beleuchtung eine neue Dimension. Der Kabelsalat ist irgendwie mit der Haus-Elektrik verbunden, zieht man den Terrassen-Lichterketten-Stecker, liegt auch das Haus im Dunkeln.

 

Jedenfalls. Man. Müsste. Es gibt ja bei Paaren so gewisse Dinge, die beide gar nicht gerne tun. Bei mir ist es z. B. Salat waschen. Ich hasse es, Salatblätter zu waschen, diese Tätigkeit erfüllt mich mit innerem Groll, der pro gewaschenem Salatblatt dynamisch steigt und am Ende knalle ich den blöden Salat in eine blöde Schüssel und auf den blöden Tisch und brülle: „Da habt ihr euren saublöden Salat!“ Scherz natürlich. Aber so würde ich es gerne machen.


Mein Mann wiederum verachtet das Ausstecken von komplex zusammenhängenden Lichterketten, als wäre es der Abschaum unter allen Tätigkeiten. Es empfiehlt sich deshalb die Anwendung des sogenannten Partnerschafts-Passivs. Anstatt „Verdammt, jetzt steck endlich die Lichterketten aus, das schafft ja jeder Vollidiot!“ zu kreischen, sage ich eisig: „Man müsste mal ...“ Damit mache ich auf das Problem aufmerksam und ich mache es zum allgemeinen Problem.


Leider sind allgemeine Probleme meiner Familie schnurz. Man oder ­einer oder jemand wird die Lichterketten schon ausstecken. Und den ­Salat ­waschen. Und falls nicht: Gottlob ­haben wir schon Februar, da ist Weihnachtennicht mehr weit.

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© iStock by Getty Images