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Lifestyle | 21.10.2019

Klein anfangen

Der Bonsai ist Inbegriff japanischer Gartenkunst. Hinter seiner zierlichen Fassade versteckt sich aber viel mehr, als uns oft bewusst ist.

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(Foto: Shutterstock)

Neben Pikachu, Sushi, Origami und Sumo ist der Bonsai wahrscheinlich einer der ersten Begriffe, der beim Thema Japan in unseren Köpfen auftaucht. Tatsächlich stammt diese Tradition des Bäumegestaltens aber aus China. Der Sage nach war es der Zauberer Jiang-Feng, der auf seinen Reisen durch das Land Felsen, Wasser und Pflanzen sowie sogar Tier und Mensch verkleinerte und auf Tableaus zauberte. Auch wenn dieser Mythos vielleicht nicht ganz der Wahrheit entspricht, so ist es trotzdem wahr, dass sich aus dem chinesischen „pénzi“, was so viel wie „Landschaft in der Schale“ bedeutet, ab dem zehnten Jahrhundert langsam das japanische „Bonsai“ entwickelte. Auf der Weltausstellung in Paris 1867 wurden die kleinen Bäume dann erstmals der westlichen Welt vorgestellt. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelten sie sich endgültig zu einem weltweiten Phänomen und halten nun auch in unseren privaten Haushalten langsam Einzug.

Kulturgut. Ein Bonsai ist aber nicht einfach nur ein Miniaturbaum. Der Baum und die Schale, aber auch die Form und die Pflege bilden gemeinsam eine Einheit. Genau wie Shod, die japanische Kalligraphie, oder das Dichten von Haikus gilt das Gestalten von Bonsais als hohe Kunst. Als lebender Organismus ist er allerdings nie wirklich „fertig“. Er entwickelt sich weiter, kann seine Form ändern und wird von seinem Besitzer bei diesem Prozess begleitet und in neue Bahnen gelenkt. Oftmals werden Bonsais innerhalb von Familien weitergegeben und es ist bei Sammlern und Experten keine Seltenheit, Bäume anzutreffen, die weit mehr als 100 Jahre alt sind.

 

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(Foto: Shutterstock)

Vielfalt. Die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten machen oftmals den ersten Reiz aus, doch auch seine Symbolwirkung macht ihn zu einem begehrenswerten Objekt. Je nach Baumform und Besitzer kann er Konzepte wie Harmonie, Üppigkeit, Naturverbundenheit oder eine Kombination aus mehreren Elementen ausdrücken. Über die lange Geschichte des Bonsais hat sich eine Vielzahl an Stilformen herausgebildet, die von streng aufrecht über Kaskaden bis hin zu ganzen Miniaturwäldern reicht. Auch die Herkunft des Baumes spielt eine Rolle. Inzwischen lassen sich im Gartenhandel schon fertige Bonsais erwerben, sie lassen sich aber auch aus Stecklingen bereits existenter Exemplare oder aus Baumschulpflanzen fertigen. Auch ein Findling direkt aus der Natur lässt sich zum Bonsai formen. Diese „Yamadori“ genannte Vorgehensweise ist die traditionellste und aufwendigste, da der Findling erst an eine künstliche Umgebung gewöhnt werden muss, um einen kompakten Wurzelballen und damit Stabilität zu gewinnen.

I am from Austria. Auch aus heimischen Hölzern lassen sich Bonsais formen. Europäische Bäume wie Wacholder, Buche oder Ahorn eignen sich vorzüglich dazu. Zwar müssen auch hier einige vorsichtige Schritte beachtet werden, wer aber genug Zeit, Umsicht und nicht zuletzt Liebe investiert, gewinnt dadurch einen langlebigen Begleiter.

Zum nachmachen
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SCHRITT 1: Die Erde bis zum Wurzelballen vorsichtig entfernen.
(Foto: Shutterstock)

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SCHRITT 2: Den Wurzelballen mit einer Schere in Form bringen.
(Foto: Shutterstock)

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SCHRITT 3: Den Baum in die vorbereitete Schale setzen und fixieren.
(Foto: Shutterstock)

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SCHRITT 4: Je nach gewünschter Form überflüssige Äste entfernen.
(Foto: Shutterstock)

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SCHRITT 5: Äste mit Draht umwickeln und behutsam in Form biegen.
(Foto: Shutterstock)

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SCHRITT 6: Die Schale mit Substrat auffüllen. Gewünschte Dekorelemente wie Kiesel oder Moos platzieren.
(Foto: Shutterstock)


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ZUM NACHLESEN:
Bonsai – Für drinnen und draußen
von Werner M. Busch
blv Verlag
ISBN: 978-3-8354-1766-3
€ 12,–