Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 25.11.2019

Farbgewaltig

Nach dem bunten Herbst ziehen sich die Farben der Natur den Winter über zurück. Höchste Zeit, sich zumindest in den eigenen vier Wänden etwas Buntheit zu gönnen.

Bild shutterstock_756064708.jpg
Die passende Farbe unterstreicht den Charakter eines Raums. (© Shutterstock)

Wohnraumgestaltung ist im Prinzip wie Kochen. Man hat einen festen Rahmen, in dem man sich bewegen kann, nimmt unterschiedlichste Zutaten und vereint diese zu einem möglichst schmackhaften großen Ganzen. Dabei muss nicht nur auf die Geschmäcker der Dinnergäste geachtet werden, sondern auch darauf, wie sich die einzelnen Ingredienzen zueinander verhalten. Harmonieren sie miteinander? Ergänzen sie sich? Oder kontrastieren sie und heben sich dadurch gegenseitig heraus? Von der Grundsubstanz lässt sich dann weiterdenken. Kann man noch zusätzliche Würze in die Mahlzeit hineinbringen? Muss man noch zusätzliche Würze in die Mahlzeit hineinbringen? Experimentierfreudige Geister mischen dabei auch durchaus konträr wirkende Richtungen und erzeugen daraus etwas komplett Neues. Die Parallelen zwischen Inneneinrichtern und Spitzenköchen sind erstaunlich! Was bei den Buchteln der Teig, beim Curry der Reis und beim Butterbrot das Brot ist, ist beim Gestalten von Wohnräumen die (Wand-)Farbe. Sie ist das grundlegende Element, die Basis, auf der der größte Teil der weiteren Entscheidungen getroffen wird. Die Wahl der Farbe ist daher bestimmend für die Richtung der restlichen Gestaltung und sollte wohlüberlegt sein.

 

Bild shutterstock_624821414.jpg
(© Shutterstock)

Muttersauce. Béchamel, Velouté, Espagnole, Hollandaise und Tomat – die klassische französische Küche kennt fünf Grundsaucen, auf deren Basis man weitere Kreationen aufbaut. Bei der Farbgestaltung ist es ähnlich. Drei Grundkonzepte bilden hier das Fundament einer umsichtigen weiterführenden Planung. Insbesondere das Zusammenspiel mit den fix installierten Einbauten der Räumlichkeiten muss hier bedacht werden.

Dunkle Wände, helle Einbauten. Ein klassisches Schema für traditionelle Gestaltungskonzepte bedient sich dem „Einrahmen“ der Einbauten. Durch eine dunkle Wandfarbe stechen diese mehr hervor und werden so betont. Die Form des Raumes tritt dabei hervor. Wählt man für die Einbauten einen auf die Wandfarbe abgestimmten Weißton, beruhigt dies den Raum und erzeugt ein Gefühl von Weite. Frisch und unprätentiös eignet sich diese Methode auch perfekt als verbindendes Element mehrerer Räume oder der ganzen Wohnung.

 

Bild shutterstock_204258904.jpg
(© Shutterstock)

Dunkle Einbauten, helle Wände. Das ins Gegenteil verkehrte Konzept zielt auf die punktuelle Betonung von architektonischen Akzenten ab. Dabei ist diese Denkrichtung etwas vielseitiger als ihr Gegenteil. Gerade auch naturbelassene Holzeinbauten profitieren von einer unaufgeregten und simplen Wandgestaltung. Struktur und Maserung treten stärker hervor, was sie zu Blickfängen im Raum werden lässt.

Farbe in Farbe. Wählt man für Wände und Einbauten die gleiche Farbe, wird ein interessanter visueller Effekt erzeugt. Das menschliche Auge ist darauf geschult, Umrisse und Kanten durch Farb- oder Helligkeitskontraste zu erkennen. Fehlen diese, neigt unser Gehirn dazu, die gleichfarbigen Elemente als ein einziges wahrzunehmen. Dadurch entsteht in Innenräumen ein Gefühl von Größe, mit dem kleine Räume einfach und elegant wohnlicher und offener wirken können. Gerade bei minimalistischen Gestaltungsstilen können Räume gut aufeinander und auf das reduzierte Mobiliar abgestimmt werden, ohne eine karge oder sterile Atmosphäre zu erzeugen.

 

Bild shutterstock_1152841418.jpg
Nacht- und Morgenmenschen profitieren im Schlafzimmer von unterschiedlichen Tönen. (© Shutterstock)

Durchgängig. Bei der Neugestaltung ganzer Wohnungen und Häuser stellt sich oftmals die Frage, ob eine einheitliche Farbe zum Einsatz kommen soll oder ob jeder Raum individuell ausgestattet wird. Bei Zweiterem lohnt es sich, den eigenen Tagesablauf und die gewohnten „Verkehrswege“ innerhalb des Wohnraums zu analysieren. Je nachdem, wo man sich am häufigsten aufhält und auch welcher Tätigkeit man dort nachgeht, sind andere Farbkonzepte gefragt. Ist beispielsweise die Küche der zentrale Aufenthaltsbereich der Familie, ist es angebracht, hier einen hellen und freundlichen Ton zu wählen. Dieser wirkt einladend, offen und aktivitätsfördernd.

Sonneneinwirkung. Auch die Lage der Räume und das damit unterschiedlich einfallende Tageslicht sind wichtige Faktoren. Die Lichtfarbe der Sonnenstrahlen ändert sich im Laufe des Tages. Morgendliche Blautöne werden gegen Abend immer weniger, bevor das sprichwörtliche Abendrot den Großteil des verfügbaren Lichts ausmacht. Auch der Weg der Sonne über den Himmel hat Einfluss auf die Lichtverhältnisse in den eigenen vier Wänden. Durch den veränderten Einfallswinkel trifft das Licht auf andere Flächen und betont somit über den Tag verschiedene Elemente des Raums. Manche Wandfarben selbst reagieren auf diese unterschiedlichen Lichtverhältnisse und weisen damit je nach Tages- und Jahreszeit verschiedene Schattierungen oder Farbtöne auf.

 

Bild shutterstock_1293074074.jpg
(© Shutterstock)

Der erste Schritt. Bei der gestalterischen Neuausrichtung eines Hauses sollte man mit dem Eingangsbereich beginnen. Er ist der erste Raum, den man betritt, und gibt dadurch auch den ersten Eindruck. Da dieser meist weniger rational, sondern eher instinktiv und emotional entsteht, sollte auch die Farbwahl auf diesem Wege getroffen werden. Helle Farben wirken einladend und offen, gedeckte und warme Töne erzeugen ein intimeres Bild. Da Wohnungs- und Haustüren oftmals mit Glaselementen versehen sind, spielt auch der Lichteinfall eine große Rolle und sollte hier bedacht werden. Flure, die vom Eingangsbereich abgehen, im gleichen Farbschema zu halten, bietet für die Wohnung ein verbindendes Element.

Am Herd. Küchen haben besonders über die letzten Jahrzehnte einen Wandel durchgemacht. Vom Raum zur reinen Zubereitung von Speisen haben sie sich oftmals zu den zentralen Aufenthalts- und Kommunikationszentren entwickelt. Dementsprechend haben sich auch Gestaltung und eingesetzte Materialien verändert. War es früher noch wichtig, dass Flächen vorwiegend praktisch, langlebig und leicht zu reinigen sind, hat durch die vermehrte Nutzung als „Lebensraum“ auch die Ästhetik in der Küche an Bedeutung gewonnen. Die vorhin angesprochenen Tipps kommen hier besonders zum Tragen. Wände, Flächen und Einbauten in der gleichen Farbe zu halten, gibt dem Raum Größe, und helle Farben machen ihn einladend und fröhlich. Kräftige Farbakzente werden im besten Fall zur punktuellen Betonung verwendet. Die Wand an der Rückseite eines offenen Regals bietet sich hier als verspielter Farbklecks an.

 

Bild shutterstock_1416345785.jpg
(© Shutterstock)

Füße hochlegen. Entspannung und Erholung sind die zwei Elemente, die im Wohnzimmer meist die allergrößte Rolle spielen. Um nach dem anstrengenden Alltag in kühler, unpersönlicher Büroatmosphäre in eine Wohlfühloase eintauchen zu können, sind hier satte und dunklere Töne die erste Wahl. Da das Wohnzimmer zumeist abends frequentiert wird, sind sich ändernde Lichtverhältnisse meist kein großes Problem bei der Farbwahl.

Die Lärche und die Nachtigall. Kaum ein Bereich ist so persönlich wie das Schlafzimmer. Morgenmenschen und Nachteulen haben stark unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche, was zur Folge hat, dass auch die Gestaltung auf die Person zugeschnitten werden sollte. Frühaufsteher, die gerne mit voller Energie unmittelbar in den Tag starten, genießen das Licht der Morgensonne. Dieses kann mit klaren, hellen Farben weiter verstärkt werden. Nachtaktive versuchen eher behutsam in die Aktivitätsphase zu gleiten, sollten also beim langsamen Auftauchen aus den Tiefen des Schlafs nicht zu sehr „geschockt“ werden. Dunkle, intime Farben reflektieren das Licht nicht so stark, sondern „verschlucken“ es eher. Das Schlafzimmer wirkt nach dem Aufstehen so eher wie eine sichere, dämmrige Höhle, aus der man sich vorsichtig in den Trubel des Alltags wagen kann.

Bild shutterstock_1038384298.jpg
(© Shutterstock)

Nasszelle. In der Brust des Badezimmers pochen zwei Herzen. Einerseits ist es ein funktionaler Raum, der dem grundlegenden Bedürfnis nach Hygiene dient. Andererseits kann es auch zum wahren Wellnessparadies werden, in dem man sich gerne Zeit für sich selbst nimmt und der wohltuenden Körperpflege widmet. In ersterem Fall bieten sich verschiedene Töne der gleichen hellen Farbe an. Dies wirkt sauber und aufgeräumt, gibt dem Raum aber gleichzeitig auch Struktur. Für die Entspannungsfans darf es gern etwas opulenter sein. Speziell Bäder ohne Tageslicht profitieren von kräftigen Farben.