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Lifestyle | 13.02.2020

Die Gunst des leeren Tellers

Am 26. Februar 2020 beginnt die Fastenzeit. Oft stehen Süßigkeiten und Alkohol dabei hoch im Kurs, doch gerade der zwischenzeitliche Verzicht auf jegliche Nahrung bringt erstaunliche Vorteile für unsere Gesundheit mit sich.

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(Foto: Shutterstock)

Der periodische Verzicht auf Nahrung, ob unfreiwillig oder freiwillig, gehört von Urzeiten her zur Natur des Menschen und wird ausgehend von religiösen Traditionen in verschiedenen Kulturen zelebriert. Als Fastenmotivation dient heute häufig nicht zuletzt die wohltuende Wirkung auf Körper und Wohlbefinden. Dabei hat der selbstauferlegte Nahrungsverzicht weitreichendere Effekte auf die Gesundheit als lange angenommen.

Gesundheitsschock. Dem Fasten wird eine verjüngende und regenerierende Wirkung nachgesagt. Daneben erlangt die Forschung zunehmend Erkenntnisse über dessen medizinische Bedeutung. Insgesamt lässt sich der systematische Verzicht als heilsamer Schock auf den Körper beschreiben – die Bezeichnung „Heilfasten“ ist also durchaus gerechtfertigt.

Urprinzip. Unser Urinstinkt verleitet uns dazu, mit süßem und fettigem Essen unsere Energiespeicher aufzufüllen, um auch in Hungerzeiten von ihnen zehren zu können. Damit gehört der periodische Verzicht aus evolutionsbiologischer Sicht genauso zur Natur des Menschen wie das Essen. Ein gesunder Mann mit einem Gewicht von 70 Kilo könnte – auch in Zeiten des Dauerangebots – 40 Tage lang ohne Essen auskommen. Das sinnvolle Prinzip hilft also seit jeher, Zeiten der Nahrungsmittelknappheit leistungsfähig zu überstehen, und setzt heilsame Vorgänge im Körper in Gang.

 

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(Foto: Shutterstock)

Gegenmittel. Der systematische Verzicht bringt verschiedenste Prozesse im Organismus in Schwung und löst zahlreiche biochemische Reaktionen aus. Dabei werden etwa bestimmte Reinigungsmechanismen in den Zellen angeregt. Weiter lassen sich etwa entzündungshemmende und blutdrucksenkende Effekte nachweisen. Ebenso kann es sich positiv auf chronische Beschwerden wie Rheuma oder Arthritis auswirken und Demenz vorbeugen. Neuesten Forschungsergebnissen zufolge könnte Fasten sogar bei Krebsleiden helfen, indem es Gene in der Erbsubstanz hemmt.

Timing-Frage. Wer denkt, die positiven Wirkungen gingen mit großen Anstrengungen und eisernem Verzicht über viele Tage einher, der irrt. Jüngsten Erkenntnissen zufolge leisten schon kurze Phasen ohne Essen einen Beitrag. So könnte beispielsweise manchmal auf Abendessen oder Frühstück verzichtet werden, um den Körper für mehrere Stunden in die Fastensituation zu versetzen. Oder man legt einmal wöchentlich einen Fastentag ein. Das zwischenzeitliche Aussetzen von Mahlzeiten fällt von Urzeiten her weniger schwer als strenge Diäten. Zudem lässt sich der Verzicht leicht mit dem gewohnten Alltagsleben vereinen und stellt uns nicht vor unbezwingbare Hürden, an denen wir regelmäßig zu scheitern drohen.

 

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(Foto: Shutterstock)

An die Reserven. Die goldene Fastenregel lautet: 14 Stunden ohne Essen – denn dann schaltet der Körper auf eine Art inneren Reinigungsmodus um. Dieser Prozess wird als Autophagie bezeichnet. Der Begriff geht auf das griechische Wort „autóphagos“ zurück, was so viel bedeutet wie „sich selbst verzehrend“. Dementsprechend versucht der Körper beim Fasten, die benötigte Energie aus geschädigten Proteinen und Zellorganellen zu ziehen. Damit sagt der Körper parallel auch Bakterien und Viren den Kampf an und beugt Infektionen vor.

Gesundheits-High. Der Verzicht auf Nahrung löst schließlich nicht nur körperliches Wohlbefinden und heilende Prozesse aus, sondern wirkt auch auf die Psyche positiv. So bringt das Fasten stimmungsaufhellende Effekte mit sich und reduziert Stress. Nach mehreren Fastentagen kann sich sogar eine regelrechte Fasteneuphorie einstellen. Fasten wird somit zur starken Medizin für Körper und Seele. Gleichzeitig zeigt sich, dass Gesundheit durchaus mit gesunder Ernährung einhergeht – und diese ist weniger eine Frage des Kalorienzählens als von Timing und Rhythmus.