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People | 10.03.2020

Women For Women

Johanna Dohnal – Eine Ikone der österreichischen Frauenbewegung.

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Johanna Dohnal als einflussreiche Politikerin (c) Elfie Semotan

Unsere Reihe widmet sich den Pionierinnen, die sich im Großen oder Kleinen für die Rechte der Frau starkgemacht haben.

Am 14. Februar 1939 wird Johanna Diez in Wien geboren. 1975 heiratet sie den Chauffeur Franz Dohnal. Aus der Ehe gehen Sohn Robert und Tochter Ingrid hervor, bevor sich das Paar nach 19 Jahren wieder scheiden lässt. Kurz nach Inkrafttreten des Rechts im Jänner 2010 geht Dohnal eine eingetragene Partnerschaft mit ihrer langjährigen Lebensgefährtin Annemarie Aufreiter ein. Das Bündnis währt jedoch nur kurz, denn am 20. Februar 2010 verstirbt Johanna Dohnal in Wien.

Politisch. Bereits mit 17 Jahren beginnt Dohnal ihr politisches Engagement bei der SPÖ. Daneben nimmt sie an politischen Schulungen teil und organisiert Parteiveranstaltungen. 1979 holt Bruno Kreisky Dohnal als Staatssekretärin für Frauenfragen in die Bundesregierung. In dieser Rolle ist sie jahrelang tätig, bevor sie ab 1990 als Frauenministerin amtiert.

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Johanna Dohnal 1982 als Ansprechpartnerin bei einer Sprechstunde des Frauenforums (c) Filmdelights

Zeitgeist. Während zu Dohnals Kindheit noch traditionelle Rollenbilder vorherrschen, rücken Emanzipation und Gleichberechtigung mit den Jahren zunehmend in den Fokus der öffentlichen Diskussion. 1962 wird die Pille auf dem österreichischen Markt zugelassen, neun Jahre später bekennen 350 Frauen im Magazin Stern „Ich habe abgetrieben“ und in Österreich werden die Forderungen nach Selbstbestimmung im Rahmen einer Fristenlösung laut. Die Regierungsbildung unter Kreisky 1979 erregt aufgrund des hohen Frauenanteils großes Aufsehen. Frauenfragen werden als eigenständiger Politikbereich etabliert und gewinnen mehr und mehr an Relevanz.

Lebenswerk. Dohnal zählt zu den wichtigsten Wegbereiterinnen der Fristenlösung. Sie initiierte Selbstbewusstseinsseminare sowie Vorbereitungskurse für Mädchen in technischen Berufen. Bereits 1977 bewegt sie die Wiener Sozialistinnen dazu, eine Karenzzeit für Mütter und Väter zu fordern. Es dauert jedoch noch mehr als ein Jahrzehnt, bis diese schließlich realisiert wird. 1978 öffnet das erste Frauenhaus in Wien seine Türen, dessen Gründung auf Dohnal zurückgeht. Später spricht sie sich für eine Vernehmung weiblicher Opfer von Sexualdelikten durch weibliche Beamtinnen aus. 2008 wird der Wiener Frauenpreis erstmals als Ehrenpreis verliehen und zeichnet Dohnal für ihr herausragendes Lebenswerk aus.

Filmreif. Mit „Die Dohnal“ bringt Regisseurin Sabine Derflinger das Leben der einzigartigen und unbequemen Politikerin Johanna Dohnal auf die Leinwand. Seit Mitte Februar ist der Film in den Kinos zu sehen.