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People | 29.07.2018

Ich bin unfassbar Dankbar & Glücklich

Top. Sonja Kirchberger versteht es, zu begeistern. Zum einen als charmante Chefin ihres Restaurants auf Mallorca, zum anderen als Bio-Bäuerin, die heuer erstmals ihr eigenes Olivenöl präsentiert und noch große Pläne hat ..

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© Getty Images

Das Öl war kaum in den Flaschen, hatte sie bereits Anfragen von Firmen aus Österreich, worüber sich Sonja Kirchberger sehr freut, aber mehr als 800 Fläschchen hat sie eben nicht und die braucht sie für die Gäste ihres Lokals „Petit Can Punta Port“ (wo man das Öl übrigens auch kaufen kann) im ehemaligen Fischerviertel El Molinar in Palma. Die Olivenbäume wachsen aber wie wild und wenn alles gut gehe, dann werden es 2019 sicherlich viel mehr Liter. „Und das Bio-Siegel haben wir nächstes Jahr auch“, erzählt die 53-jährige Schauspielerin strahlend.

Verliebt in Mallorca. Vor knapp zwei Jahrzehnten entdeckte die gebürtige Wienerin die Insel und sie wusste damals schon, dass sie hier leben möchte. Auch den Wunsch, ein eigenes Lokal zu führen, trug sie lange mit sich, aber das ­hätte ­geheißen, das Drehen hintanzustellen. Im Herbst 2014 war es aber dann so weit. Kirchberger startete mit ihrem eigenen Restaurant und erzählt ­heute offen, wie schwierig die ersten zwei Jahre waren. Sie habe das alles völlig unterschätzt, verrät sie lachend. Aber: Sie würde es immer wieder tun. „Ich bin nämlich beratungsresistent.“

 

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Innig. Der um 14 Jahre jüngere Daniel hat Kirchbergers Herz erobert. © Getty Images

look: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Restaurant zu eröffnen?

Sonja Kirchberger: Die Idee hatte ich bereits vor 25 Jahren, aber mir fehlte der Mut und ich wusste, dass ich nicht gleichzeitig drehen und im Lokal sein kann, was aber sehr wichtig ist, dass die Chefin da ist. Als Motivation, Vorbild und um Entscheidungen zu treffen. Ich erlebe hier täglich Premiere. Einmal wird der Fisch nicht geliefert, dann geht ein Gerät kaputt und letzte Woche hatte ich – an einem Sonntag und bei komplett vollem Restaurant – Stromausfall.

 

Und läuft es so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Jetzt ist es so, wie ich es mir vorgestellt habe. Am Anfang war es extrem schwierig. Man braucht vor allem ein sehr gutes Team. Und das habe ich nun. Es sind zehn Mitarbeiter, für die ich die Verantwortung trage. 2015 habe ich sehr wenig geschlafen (lacht). Es haben sich ja nicht unbedingt die besten Köche darum gestritten, bei mir zu arbeiten. Wen interessiert in der Gastro Sonja Kirchberger? Inzwischen kommen Leute herein und lassen ihren Lebenslauf da.

 

Zählen mehr Einheimische oder Touristen zu Ihren Gästen?

Wir haben jetzt das erste Jahr, in dem wir sagen können, 50 % unserer Gäste sind Mallorquiner. Das war ein sehr langer Weg. Ein Lokal lebt ja von der Mischung. Wenn du zu deutsch bist, trauen sich die Einheimischen nicht mehr herein und daher haben wir stets auch bei den Reservierungen darauf ­geachtet, einen guten Mix zu haben. Wir sind nun in der vierten Saison und ­haben viele Stammgäste.

 

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Wow. Kirchberger als Emmelina in Shakespeares „Komödie der Irrungen“ in Bad Hersfeld 2015. © APA Picturedesk

 

Was bieten Sie an bzw. woher stammen die Zutaten Ihrer Speisen?

Das Gemüse ist zu 60 % aus meinem eigenen Anbau, die Kräuter komplett und ich habe dicke, glückliche Hühner, die uns mit gigantischen Eiern versorgen. Inzwischen habe ich so eine soziale Bindung zu den Hühnern, dass ich seit zwei Jahren kein Hühnerfleisch mehr essen kann (lacht). Ansonsten versuche ich, so viel wie möglich auf Mallorca zu kriegen. Der Lobster allerdings kommt aus der Bretagne.

 

Und auf Ihrer Karte findet man auch das Wiener Schnitzel ...

Das darf nie fehlen, egal wo ich bin (lacht). Ich habe meine Leute eine Woche lang trainiert, damit sie das Schnitzel perfekt zubereiten. Ich verfüge über ein Top-Team, aber nur einer kann das Schnitzel richtig gut machen. Das wird durchgebadet, damit es die schöne ­Welle bekommt, und die Brösel sind vom Anker aus Wien!

 

Was essen Sie?

Ich esse sehr einfach. Frisch ­gekochte Erdäpfel mit Hüttenkäse oder Broccoli scharf angebraten mit Knoblauch und Chili gehören zu meinen Standardgerichten. Obst nur als Saft gepresst und bei Fleisch bzw. Fisch achte ich noch mal extra auf die Qualität.

 

Was steht jetzt noch auf dem Plan?

Ich will unbedingt selchen lernen. Aber jetzt nicht nur Fisch und Fleisch, sondern vor allem Käse, ­Gemüse und Obst. Mein Chefkoch und ich haben auch gute Ideen für neue Gewürze. Da ist noch viel drin (lacht).

 

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Erfrischend. Das Restaurant spiegelt die Seele seiner Chefin wider: lebensfroh, bunt uKreativ. Andrea Buday zu Gast bei Sonja Kirchberger, die stolz ihre Olivenölflaschen zeigt. © Andreas auf der Maur

Und Filme bzw. Theater?

Das Baby hier läuft jetzt und daher verspüre ich wieder ganz große Lust aufs Drehen. Ab August stehe ich für einen Krimi vor der Kamera. Und Ende des Jahres folgt ein weiterer Film.

 

Wie lange haben Sie gebraucht, um sich auf Mallorca daheim zu fühlen?

Noch bevor ich hergezogen bin. Ich war schockverliebt und verzaubert von der ersten Sekunde an. Und bin es ­immer noch ...

 

Gestatten Sie eine letzte Frage: Hatten Sie je Probleme mit dem Älterwerden?

Keiner will zusehen, wie er langsam verblüht, aber ich lebe und bin gesund und das macht mich unfassbar dankbar und glücklich. Ich liebe das Leben und gehöre zu den Freaks, die sich am liebsten für immer mit diesem Planeten drehen würden.

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© privat

Text Andrea Buday