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People | 18.01.2017

Kinder auf den Müllbergen von Manila

Mit dem „Guardian Hand Project“ hilft die Vöcklabrucker Unternehmerin Ilse Schreiner-Kalleitner Kindern, auf den Müllbergen Manilas zu überleben, und schenkt ihnen alle zwei Wochen ein paar Stunden Kindheit.

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© Guardian Hand Project

Seit 15 Jahren reist Ilse Schreiner-Kalleitner für ihren Karnevalskostümverleih und Weihnachtsartikelhandel in Vöcklabruck auf die Philippinen und kauft all ihre Artikel mit ihrer philippinischen Geschäftspartnerin JM auf den Märkten der Inselgruppe ein. Nach einigen Reisen, bei denen die Unternehmerin die Armut der Einheimischen mit eigenen Augen sah, entstand der Wunsch, selbst zu helfen. Sie begann, arme Kinder mit Milch und Vitaminen zu versorgen und ihnen Nahrung und medizinische Versorgung zu gewährleisten. Aus ihrer privaten Hilfe entwickelte die 47-jährige im März das „Guardian Hand Project“. „Ich habe gesehen, dass wir Europäer wirklich auf der Sonnenseite des Lebens leben. Auch wenn es bei uns arme Menschen gibt, ist die Armut auf den Philippinen nochmal eine ganz andere Liga“, erklärt die Vöcklabruckerin. Bei ihrer letzten Reise wagte sie sich entgegen allen Warnungen auf den Tondo Smokey Mountain – der Müllberg Manilas.

Der Müllberg Manilas. Ilse Schreiner-Kalleitner fällt es schwer, etwas so Schreckliches in Worte zu fassen. „Dieses Chaotische,  der Gestank, die Kriminalität … – es ist wie eine Zeitbombe, die kurz vorm Explodieren ist.“ In Gedanken ist sie auf dem Tondo Smokey Mountain. Bis 1995 wurde der gesamte Müll der Stadt hier deponiert. Mittlerweile sind diese Müllberge überwachsen und die Menschen leben in zusammengebauten Fetzen, Tüchern oder Draht, bis der nächste Taifun alles wieder zerstört. Sie überleben durch das Sammeln von Müll, Plastik oder Kohle. Es gibt weder Wasser noch ärztliche Grundversorgung, geschweige denn Medikamente, Lebensmittel oder ein funktionierendes Schulsystem. Die Kinder haben Krankheiten, sind unterernährt und durchleben ihre Kindheit nackt und dreckig umgeben vom Müll.

Helfen, wo Hilfe unmöglich scheint. Schon alleine der Weg auf den Müllberg ist mehr als abenteuerlich. Kein Taxi fährt zum Tondo Smokey Mountain. Selbst für die Fahrer ist es zu gefährlich. „Dort herrschen Korruption und Kriminalität, Kinder werden vergewaltigt und viele Menschen handeln mit Drogen“, erklärt die Gründerin des Guardian Hand Projektes. Trotzdem schaffte sie das Unmögliche. Bei ihrer letzten Reise im März bekamen Ilse und ihre mittlerweile gute Freundin JM nach einigen Verhandlungen mit den Verantwortlichen Polizeischutz und eine Liste der 70 ärmsten Kinder. Sie besuchten jedes einzelne Kind und dessen Familie und entschieden sich zwei Tage später, eine Essensveranstaltung in die Wege zu leiten. Doch es blieb nicht bei diesem einen Mal. Mittlerweile findet diese Veranstaltung für 104 Kinder 14-tägig statt und es werden von Mal zu Mal mehr Kinder. Neben einer warmen Mahlzeit bekommt jedes Kind Proviant für zu Hause mit und wird mit Schuhen, Heften, Stiften oder anderen Aufmerksamkeiten überrascht. Möglich machen das vor Ort JM, ihre Tochter Gaianah und ein immer größer werdendes Team ehrenamtlicher Helfer.

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Unterstützung aus Oberösterreich. Auch Unternehmerin Ilse Schreiner-Kalleitner investiert von zu Hause aus täglich drei Stunden für das Projekt. „Am liebsten arbeite ich am Abend. Um die Uhrzeit ist es in Manila schon in der Früh und ich kann alle Angelegenheiten mit JM und ihrer Tochter Gaianah besprechen.“ Am Herzen liegt ihr vor allem eine präzise Dokumentation. Alle Geldflüsse werden für Spender festgehalten und bei jeder Essensveranstaltung wird ein „Letter of the Day“ erstellt, inklusive Fotos und Cashflow. Im Kostümverleih fertigt sie für das Projekt Drucksorten wie T-Shirts, Kappen und Taschen. Auch über Facebook und auf ihrer Webseite werden Interessierte und Spender regelmäßig informiert.

Um voranzukommen, plant die engagierte Unternehmerin, das Projekt in einen Verein umzuwandeln und eine Benefizveranstaltung zu machen. Jede Spende kommt eins zu eins den Kindern zugute. Nach wie vor wird das Herzensprojekt hauptsächlich aus eigener Tasche finanziert und durch Spenden von Verwandten und Freunden unterstützt. „Wir hoffen natürlich, dass uns immer mehr Menschen unterstützen.“